Dienstag, 27. Januar 2015

Kopfsachen: "Arbeit macht frei"

Am 27. Januar 1945 wurden die letzten Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau befreit.



Dieser Tag hat eine besondere Bedeutung. Auch wenn ich der Ansicht bin, dass niemand das Recht hat, jungen Deutschen eine Schuld zuzuweisen oder gar mit unseren Vorfahren, egal wie viel sie wussten der auch nicht, über einen Kamm zu scheren, ist es wichtig, ist es für mich wichtig, die Vergangenheit nicht einfach zu vergessen. Es ist wichtig, daraus zu lernen.
Es sind Bilder, wie dieses, die mich traurig machen, auch wenn darauf kein Leid zu sehen ist. Es ist ein Foto, das die Graußamkeit einer Ideologie zeigt, die gegen mein Verständnis von Menschheit war:



Kein Mensch ist weniger wert, nur weil er eine Behinderung, eine andere Religion, Herkunft oder politischen Gesinnung hat!




Sportsachen: Ich kann wieder laufen

Am Wochenende war der dritte Lauf meiner Laufserie.
Beim zweiten konnte ich nicht starten, eine Verletzung und meine Dauerverletzung am linken Sprunggelenk, diverse Viren...haben mich am Trainieren gehindert, fast zwei Monate lang.

Im Januar war ich 24 Tage lang nicht laufen, dafür bin ich Rad gefahren. Das hat auch super funktioniert und ich bin schnell schneller und ausdauernder geworden.
letzte Woche dann der Test: Ja, ich bekomme das hin, ich laufe am Wochenende.

Knapp 29 Minuten habe ich für die 5 Kilometer gebraucht, fast 2 Minuten über Bestzeit, aber hauptsache durch gekommen.
Ab Kilometer 4 hat meine Verletzung heftig geschmerzt. Es war kein Spaß dann noch weiter zu laufen.
Beim Überholen haben ein paar Männer (ja, die waren nur knapp schneller als ich) über "Jogger", die sich überschätzen und "halt mal bei nem Lauf" mitmachen gelästert. Es war ganz klar ich gemeint.
Danke, dass ihr einfach so über Menschen urteilt. Wenn alles so gelaufen wäre, wie geplant, wären die 23 Minuten sicher gefallen. Sehr nett.

Aber denen zeige ich das...oder besser mir zeige ich das. Ab jetzt wird wieder dauarhaft gelaufen.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Kopfsachen: Pegida, Islamismusdiskussion und Radikalismus

Zunächst einmal kurz von meinem Leben momentan: Früh aufstehen, arbeiten gehen, heim kommen, weiter arbeiten, nach Mitternacht ins Bett fallen,...Sport kommt zu kurz (aaahhh, bald ist der nächste Lauf...) ich war auch noch zwischendruch krank und gesundes Essen ist absolut nicht möglich.

Nun verfolge ich aber nebenher natürlich noch die Nachrichten, wenigstens etwas.
Der Anschlag in Paris auf Charlie Hebdo hat mich ziemlich schockiert. Es geht um Satire!
Aber manche Menschen verstehen auch bei Jesus und Gott keine Gnade, immerhin passt der wahre (christliche) Gott in keinen Rahmen und kann demnach auch nicht gezeichnet werden.
Dementsprechend ist es kein Problem des Islam, dass es Fundamentalisten gibt, sonder ein Problem aller monotheistischen Weltreligionen, auch wenn ich noch nie von fundamentalen Juden gehört habe.

Für mich ist der Islam, wie auch das Christentum normal, was mich zum Thema Pegida bringt.
Als ich das erste Mal von Pegida hörte, dachte ich: Ach, die Ziele sind ja ganz gut! Und dann habe ich nachgelesen.
Teilweise kann ich mich mit den Forderungen identifizieren.
Es ist nicht möglich, dass Deutschland alle Flüchtlinge bzw. alle Menschen, die meinen, ihre Heimat verlassen zu müssen, aufnehmen. Ja, auch Europa kann dies nicht. Und da bin ich gnadenlos in meiner Ansicht.

Es gibt Flüchtlinge, die unbedingt Asyl in Deutschland (oder einem anderen sicheren, europäischen Land) brauchen und genau diese sollten dieses auch bekommen. Ich finde es auch wichtig, dass Asylbewerber so schnell wie möglich ein normales Leben führen können, sprich Arbeiten dürfen.
Alledings braucht ein neu ankommender Asylbewerber kein eigenes Zimmer, bis er sich mehr leisten kann. Hier bei uns sind Sylbewerber auf die Straße gegangen, jetzt wird für sehr sehr viel Geld in neue Heime investiert, in denen es Einzelzimmer, Fernseher, neue Einbauküchen für Kleinstgruppen,... gibt. Dafür fallen die Schulen auseinander.

Ja, ich behaupte, ein Asylbewerber kann in einer gewissen Zeit in einem Schlafsaal leben, eine Gemeinschaftsküche und ein Gemeinschaftsbad auf dem Gang nutzen...vor 20 Jahren hat das auch gereicht.
Ich weiß das, denn ich bin in einem Stadtteil aufgewachsen, in dem es ein Asylbewerberheim gab, ich war dort sogar ein Mal zu Gast, denn in meiner Schule gab es Integrationsklassen und ich war in der zweiten Klasse Patin für Fareta. Aus welchem Land sie kam, weiß ich nicht mehr, doch sie sprach zunächst kein einziges Wort Deutsch und unsere Lehrerin erzählte, in ihrem Land sei Krieg und sie habe sehr große Angst vor Lärm, also waren wir alle ganz leise.
Wir, das waren Kinder aus Deutschland (und das war die Mindeheit), der Türkei, aus Frankreich, Italien, aus dem Iran, Irak, Afghanistan, Slowenien, Kroatien, Sebien, Tschetschenien, Bulgarien, Somalia, Sri Lanka und mit Sicherheit aus noch weiteren Ländern.
In der Integrationsklasse lernten die neu angekommenen Kinder an drei Tagen in der Woche Deutsch, die anderen Tage waren sie in ihrer Klasse.
Ali, Fatma, Bojana, Dimitri, Sergei, Gilbert, Marion, Matthias, Mirjana, Josephine, Maria (übrigens keine Deutsche),... wir alle waren eine Klasse. Unter 25 Kindern waren gerade einmal 5 Kinder Deutsche und das war kein Problem. Für mich waren sie alle Kinder, wie auch ich und ihre Herkunft interessant aber absolut kein Grund, sie nicht zum Freund zu haben. Wir haben Scherze über unsere Herkunft gemacht. Bemi war unser dunkelhäutiges Kind. Er hierß nicht so, aber seinen wirklichen Namen kenne ich gar nicht mehr, der war sehr kompliziert und sogar seine Mutter nannte ihn Bemi (auch er war Moslem). Es war für uns normal, zu sagen, er sei ein Neger oder Schwarzer, so wie er uns Milchgesichter nannte. Politisch absolut inkorrekt, aber für uns Kinder liebevolle Gewohnheit. Er war (und ist sicher noch) ein toller Junge.

Ich habe gesehen, wie manche meiner Klassenkameraden lebten, doch sie fühlten sich wohl bei uns. Viele sind geblieben, die Eltern haben Arbeit gefunden, neue Wohnungen im Stadtteil wurden besiedelt und für viele war Integration gar kein Problem.
Eine kleine Ausnahme waren unsere Türken, die ihren eigenen kleinen Stadtteil hatten. Damals war ich so stolz, ein Mal zu Fatma zu dürfen, mit ihr Spielen zu dürfen. Sie war das einzige Mädchen in der Klasse mit Kopftuch, immer nur im Rock, der Schwimmunterricht für sie verboten, allein nach draußen: Niemals! Doch auch diese Familien waren Teil der Gemeinschaft

Meine Eltern sind selbst Flüchtlinge, innerdeutsche Flüchtlinge, die im Westen erstmal in Massenauffanglagern lebten, mein Großvater musste seine Ausbildung nochmals machen, um arbeiten zu können. Sie kamen mit nichts und mussten sich auch erst integrieren. Auch für sie war das kein Problem.

Und genau das sehe ich als Problem: Asylbewerber müssen bereit sein, sich zu integrieren. Das heißt nicht, dass sie ihre Kultur ganz ablegen müssen, aber sie sollten bereit sein, mit anderen Kulturen, vor allem der des neuen Heimatlandes Bekanntschaft zu machen und diese zu akzeptieren.
Dazu gehört, dass sie auch bereit dazu sind, sich in das Sozialsystem zu integrieren, also zu arbeiten und ihre Abgabgen zu zahlen - doch genau hier ist der Haken: Es muss einfach sein und erlaubt werden!
Dazu muss das Asylrecht überarbeitet werden!
Und genau das fordert Pegida. Doch das ist auch der einzige Punkt, in dem ich die Ansichten teilen kann.

Der Islam gefährdet Deutschland nicht, er bereichert die Kultur.
Gefährdend ist ausschließlich der Radikalismus.
Und von dem gibt es nicht nur den fundamentalen Islamismus.
Für mich sind alle Formen von Extremismus, ob religiös oder politisch (extrem rechts, extrem links) zu verurteilen. Für mich sind die Rufe "Ausländer raus" und "Nazis raus" genau das gleiche, beides ist falsch, auch wenn ich die Einstellung extrem rechter (wie auch linker) absolut moralisch verwerflich finde.

Für mich sind alle Menschen gleich, vielleicht auch deshalb, weil wir Kinder alle gleich waren, wir haben gemeinsam gespielt, gelacht, andere getröstet, getanzt, ... genau so sollten es alle Menschen machen, denn es sind doch auch nur Menschen. So geht es, glaube ich, allen Kindern.
Vielleicht sollten wir alle mehr auf Kinder hören, denn sie achten weit mehr auf alle inneren Werte, als wir erwachsene das tun.