Sonntag, 29. September 2013

Impressionen


Bilder vom Strand, bei einem unserer abendlichen Ausfüge.

Ich vermisse die Zeit, ständig auf trab, immer eine Funktion.
Jetzt bin ich einfach ich ohne Aufgabe.

Ich vermisse die Zeit, ständig unter Beobachtung, immer mit Menschen, die nichts wissen dürfen.
Jetzt zählt wieder jede Kalorie und jedes Gramm zu viel auf der Waage.

Bin ich hier einfach nutzlos?

Donnerstag, 26. September 2013

Verpasster 1. Geburtstag und der Sinn meines Lebens

Happy Birthday lieber Blogg, du bist schon ein Jahr alt!

Nach nicht einmal einem Jahr vernachlässige ich dich, als wärest du ein Stück ungeliebter Dreck!
Nein, das ist nicht so. Doch fällt es mir zur Zeit einfach schwer, zu schreiben. Oder besser gesagt, mir die Zeit zu nehmen, zu schreiben. Ich hoffe, es wird besser, denn ich habe gerade frei. Eigentlich nicht, erst nächste Woche sind Ferien, aber auch diese Woche ist für mich "Ferien". Anderer Stress als sonst, guter Stress, er tut mir nicht so weh wie der sonstige Alltagsstress, auch wenn er eigentlich sehr viel aufreibender ist, denn es gibt viel mehr schöne Momente.

Ja, Mir geht es momentan ganz ok. Ich bin mit 28 Jugendlichen in einem Feriendorf.
Es tut gut, das ganze Leben um mich zu haben.
Es tut gut, die ganzen Mädels und Jungs länger als nur wenige Stunden zu sehen.
Es tut gut zu wissen, dass es ihnen (so einigermaßen) gut geht.

Meine Aufgabe ist es auch, zu erkennen, ob es einem von ihnen psychisch schlecht geht. Doch wie soll man das bitte bewerkstelligen, wenn man nur eine Momentaufnahme sieht.
Es sind einige sehr sehr sehr ... dünne Mädchen dabei. Doch jetzt weiß ich, dass sie weder A noch B sind. Sie sind einfach nur dünn. Wenn man sie Stunden lang beobachten, ihnen beim freudigen futtern zu sehen kann und sie auch noch lange Zeit später nicht auf dem Klo verschwunden sind, dann ist das Gefühl der Erleichterung doch groß.

Um zwei mache ich mir noch immer Sorgen. Sie sind sehr introvertiert aber ich glaube, sie sind einfach so. Gut aufgehoben sind sie in ihren Gruppen trotzdem und fühlen sich da wohl. Das ist die Hauptsache.

Mir tut die Anwesenheit, das Spielen, das Lachen, ... es tut mir einfach alles gut.

Und dann, in so Momenten wie jetzt, wo sie in ihren Häusern sind, mit der Aufgabe, aufzuräumen, zu packen und abzuspülen, mein Begleiter mit 8 im Schwimmbad ist, ich eigentlich ganz froh bin, dass ich nicht mit musste - wenn mehr gegenagen wären hätte ich mit gemusst - in solchen Momenten werde ich wieder schlagartig traurig. Jede Nacht, wenn die Kiddies im Bett sind, alle Lichter aus sind und auch ich mich hin legen kann, die Tagesabrechnung gemacht ist und ich nichts mehr zu tun habe, genau dann werde ich so unendlich traurig, wie ich es auch war, bevor wir gefahren sind.
Genau jetzt, in diesem Moment wäre es mir lieb, ich müsste hier nicht weg. Wir könnten doch zwei Wochen bleiben, wie sie es sich gestern gewünscht haben. Noch eine Woche das Geschrei, das Lachen, das Leben, das ständige Klopfen an der Türe.

Gerade eben hat es wieder geklopft. Ich hatte die zwei schon gesehen, mir gedacht, sie kommen her. Laufen lachend den Hügel herauf, klopfen an die Türe.
Klar, Netbook zu, aufpassen, dass keiner was merkt, Pokerface auf, Lachen ins Gesicht.
"Frau ..., wir haben ein Problem!" - "ein großes Problem!" - "Wir haben kein Klopapier mehr!"
Ich: "Na wenn das euer einziges Problem ist, dann ist das keins!", ich laufe zu unserem viel zu großen Vorrat an Drogerieartikeln, fische ein Klopapierrolle heraus "Wir brauchen auch nur eine Scheibe...äh Rolle" beide Lachen herzhaft, ich versuche mit zu lachen, wenigstens einen blöden Spruch zu bringen "hätten Sie's gerne am Stück oder geschnitten?"...der war blöd genug, beide lachen weiter, bedanken und verabschieden sich, laufen lachend, hüpfend den Hügel runter "J. wir haben Klopapier" ruft die eine beim Betreten des eigenen Hauses.

Genau das macht mich momentan glücklich und ich weiß, dass es meine sind, meine 28 Kinder, für die ich gerade verantwortlich bin, was anstrengend ist, was Kraft kostet und doch so wundervoll ist, dass es mich erfüllt. Gerade jetzt weiß ich, wozu ich hier bin, was meine Aufgabe ist und es geht mir gut.
Ich hoffe, dass bald aus jeder Ecke jemand gehüpft kommt und "ein Problem" hat, denn dann hat mein Leben, habe ich einen Sinn.

Samstag, 14. September 2013

Zu müde um zu leben

Es sind depressive Posts, die ich zur Zeit verfasse.
Seltsam, dass ich überhaupt wieder poste.
Eigentlich geht es mir nicht besser als in den letzten Wochen, sondern schlechter. Habe noch weniger Kraft. Vielleicht gerade deshalb zieht es mich wieder zu blogger.
Nicht, um die wenigen Belastungen von mir zu schreiben, sondern um Kraft zu bekommen. Kraft, indem ich einfach los werde, was in mir ist.

Einfach so aus welchem Grund auch immer habe ich letztens einen Test aus einem meiner Psychobücher gemacht. Heraus kam: Es kann sein, dass Sie unter einer mittelschweren bis schweren Depression leiden. Lassen Sie sich von einem Arzt untersuchen.
Nichts Neues, das hätte ich mir selbst auch schon sagen können.

Ich weiß auch, warum das alles so ist und wie ich das alles behebe, aber ich habe einfach nicht die Kraft, es zu ändern.
Kennt das noch jemand?
Lang genug therapiert worden zu sein, um genau zu wissen, was mit einem los ist und auch Methoden an die Hand bekommen zu haben, diese anzuwenden und genau zu merken, wie die Depression einen daran hindert?
Ich bin einfach zu müde, um leben zu wollen.

Nein, ich meine damit nicht, dass ich akkut selbstmordgefährdet wäre. Mit leben meine ich: richtig leben.
Momentan arbeite ich nur, lege mich hin, lass mich mitnehmen, aber genieße es nicht.
Heute habe ich abgesagt, morgen werde ich mitgenommen.
Doch wie viel werde ich mitbekommen?
Wie viel werde ich davon mitnehmen?
Dinge, die ich vor weniger als zwei Monaten noch konnte: Kraft aus kleinen Dingen ziehen, ich kann sie nicht mehr.

Die Kraft reicht nicht mehr um irgendwas zu genießen. Alles zieht an mir vorbei.
Ich bin wie in Watte gepackt.
Worte dringen nur noch dumpf zu mir, Gerüche werden gefiltert, vor meinen Augen ein weißer Schleier, der meine Sicht trübt, meine Hände haben kein Gefühl mehr.
Es ist, als ob ich in einem Traum lebe, der keinen Sinn hat, keine Handlung. Er ist nicht schön aber auch kein Alptraum nur so lange und ätzend, dass ich aufwachen möchte. Doch wie wacht man so einfach auf?

Donnerstag, 12. September 2013

Und die Sehnsucht in mir wächst und wächst

Der Zug rollt an, in mir steigt ein Gefühl der leere auf.
Plötzlich fühlt sich mein gefüllter Magen an wie ein Loch, mein Hirn leert sich bis auf einen Gedanken - raus, zurück, alles umkehren.

Vor dem Fenster sehe ich meine Eltern stehen und winken, ich schlucke die Tränen runter, versuche zu lächeln und winke. Drehe mich um und winke weiter, auch sie winken, bis ich sie nicht mehr sehen kann. Die Tränen wollen nicht mehr zurück halten. Auch der Himmel weint, es regnet zum Abschied. Wie auch die ganzen letzten Tag: Es hat fast nur noch geregnet und dabei ist Hochsommer.

Das Gefühl in mir ist absolute Traurigkeit, der Wunsch, umzukehren und diesen Weg niemals mehr zu betreten. Noch einmal fahre ich entlang des Parks, über den Fluss, entlang der Häuserfronten, die ich in meinem Leben so oft gesehen habe. Schaue auf die Menschen, die dort gehen und weiß, ich werde hier nur noch selten sein.
Der Weg führt noch ein Stück entlang des Flusses. Auf dem Berg oben die Kapelle, in deren Nähe meine Schwester wohnt; auf der anderen Seite auf dem Berg die zwei Kirchen, zwischen denen das Haus meiner Eltern steht. Unten im Tal: Der Ort in dem ich aufgewachsen bin.
Der Weg führt entlang an Erinnerungen, an meine Kindheit, meine Jugend.
Ich bin erwachsen und doch fühle ich mich zu klein, zu schwach, zu kindlich um zu gehen.
Es ist die Sehnsucht, dass alles so bleibt, wie es war.
Die Sehnsucht, nie erwachsen zu werden.
Die Sehnsucht, immer mit dem gleichen Spielzeug zu spielen.

Je weiter sich der Zug entfernt, desto unausweichlicher wird der Gedanke zurück zu kehren; Auf dem Absatz umzudrehen und einfach nicht zu fahren. Doch ich sitze in diesem Zug, der nur noch wenige Male hält bis zu meiner neuen Heimat.
Ich fahre in eine unbekannte Fremde, die mir doch bekannt ist.
Es ist keine Fahrt ins Ungewisse wie sie viele tausende, millionen Menschen vor mir tun mussten doch frage ich mich, ob es nicht besser wäre, gar nichts zu wissen.
So weiß ich auf dieser Fahrt schon, dass die Sehnsucht nicht so schnell versiegen wird.

Mit jedem weiteren Kilometer fühle ich mich unwirklicher. Baum um Baum, Feld um Feld, Stadt um Stadt ziehen an mir vorbei, das rattern der Räder auf den Gleisen wird zur Melodie des Abschieds.
Stunden vergehen, ohne dass ich sie merke, denn das einzige, was ich merke, ist diese Sehnsucht.

Die Sehnsucht nachHause.

Mittwoch, 11. September 2013

200

Eintrag 200
Lange aufgespart, um etwas Besonderes zu werden.
Lange die Zeit gespart, um nicht wieder ständig hier zu sein.
Lange aufgeschoben, um nicht wieder Gedankenschrott des Tages abzuliefern.

Und doch wird es ein Eintrag, wie jeder andere auch: Einfach nur langweilig.

In den letzten Tagen und Wochen war ich einfach nur überfordert - schön wenn es das jetzt gewesen wäre, ich bin es noch immer.

Hattet ihr schonmal Heimweh?
Als ich in der 8ten Klasse auf einem Frankreichaustausch war, da hatte ich Heimweh.
Ich kam in dem Haus an und es war stockdunkel, es stank, mich blickten zwei grüne Augen eines riesigen Hundes an.
Ab dem Moment hatte ich für diesen Abend Heimweh.
[Ich habe keine Angst vor Hunden, aber im Dunkeln sieht man einfach nicht, ob der Hund gerade neugierig und schwanzwedelnd oder mit angelegten Ohren auf eine zukommt. Und diese arme Hündin war wirklich sehr groß und wurde später und im Jahr darauf meine Zuflucht in Frankreich]

Dieses Gefühl habe ich seit 51 Tagen mehr oder weniger.
Ja, so lange wohne ich schon hier. Fast 1/7 Jahr und ich fühle mich noch so gar nicht zu Hause.
Oft wünsche ich mich nach Hause.
Gerade jetzt, wo alle meine ehemaligen Kollegen und Mitleidende wieder anfangen zu arbeiten, wird es wieder noch stärker.

Noch immer ist alles gewöhnungsbedürftig, auch wenn ich viel Lob bekomme und mich viele Kollegen sehr mögen und mir das auch sagen. Auch wenn es schöne Tage und schöne Erlebnisse gab.
Es ist nicht meins hier.

Momentan habe ich darum eine Fressphase. Es ist noch nicht so schlimm, aber ich habe das Gefühl bald wieder in eine Hungerphase zu fallen und ich hoffe, aus beidem irgendwie wieder raus zu kommen. Noch immer darf es keiner wissen, wie es mir wirklich geht.

Meine Eltern wissen von meinem Heimweh, aber nicht, wie schlimm es ist. Ich hätte es ihnen auch nicht verheimlichen können. Seit ein oder zwei Jahren kennen sie mich so gut, wie nie zuvor. Das mag ich zwar, weil es uns näher gebracht hat, aber sie merken alles...

Meine Schwester weiß etwas mehr, hat aber gerade selbst genügend um die Ohren um alles zu erfahren - ich werde es ihr auch nicht sagen.

Kollegen vertraue ich nicht besonders und wissen sollten sie es erst recht nicht, denn die Gefahr, dass sie es den falschen Leuten erzählen ist zu groß.

Meinem Liebsten will ich nicht ganz alles sagen. Ich habe zu viel Angst, ihn noch unglücklicher zu machen.
Er versucht alles, mich glücklich zu machen. Doch es klappt nicht. Er selbst merkt, dass es mir an Tagen, an denen wir nicht hier sind, besser geht.
Als wir an der Nordsee waren mit Kollegen, als wir letztes Wochenende bei seiner Familie waren, es ging mir einfach besser.
Ich hasse mich dafür, dass ich mich bei ihm nicht mehr gut fühle. Nicht mit ihm, sondern bei ihm. Ich will nicht weg von ihm, sondern weg von hier.

Kennt ihr das Gefühl von Heiweh? Kennt ihr das Gefühl, machtlos gegen ein Gefühl zu sein? Kennt ihr das Gefühl, von euren Gefühlen überwältigt zu werden?
Mischt alles und es kommt mein Gefühl heraus.