Happy Birthday lieber Blogg, du bist schon ein Jahr alt!
Nach nicht einmal einem Jahr vernachlässige ich dich, als wärest du ein Stück ungeliebter Dreck!
Nein, das ist nicht so. Doch fällt es mir zur Zeit einfach schwer, zu schreiben. Oder besser gesagt, mir die Zeit zu nehmen, zu schreiben. Ich hoffe, es wird besser, denn ich habe gerade frei. Eigentlich nicht, erst nächste Woche sind Ferien, aber auch diese Woche ist für mich "Ferien". Anderer Stress als sonst, guter Stress, er tut mir nicht so weh wie der sonstige Alltagsstress, auch wenn er eigentlich sehr viel aufreibender ist, denn es gibt viel mehr schöne Momente.
Ja, Mir geht es momentan ganz ok. Ich bin mit 28 Jugendlichen in einem Feriendorf.
Es tut gut, das ganze Leben um mich zu haben.
Es tut gut, die ganzen Mädels und Jungs länger als nur wenige Stunden zu sehen.
Es tut gut zu wissen, dass es ihnen (so einigermaßen) gut geht.
Meine Aufgabe ist es auch, zu erkennen, ob es einem von ihnen psychisch schlecht geht. Doch wie soll man das bitte bewerkstelligen, wenn man nur eine Momentaufnahme sieht.
Es sind einige sehr sehr sehr ... dünne Mädchen dabei. Doch jetzt weiß ich, dass sie weder A noch B sind. Sie sind einfach nur dünn. Wenn man sie Stunden lang beobachten, ihnen beim freudigen futtern zu sehen kann und sie auch noch lange Zeit später nicht auf dem Klo verschwunden sind, dann ist das Gefühl der Erleichterung doch groß.
Um zwei mache ich mir noch immer Sorgen. Sie sind sehr introvertiert aber ich glaube, sie sind einfach so. Gut aufgehoben sind sie in ihren Gruppen trotzdem und fühlen sich da wohl. Das ist die Hauptsache.
Mir tut die Anwesenheit, das Spielen, das Lachen, ... es tut mir einfach alles gut.
Und dann, in so Momenten wie jetzt, wo sie in ihren Häusern sind, mit der Aufgabe, aufzuräumen, zu packen und abzuspülen, mein Begleiter mit 8 im Schwimmbad ist, ich eigentlich ganz froh bin, dass ich nicht mit musste - wenn mehr gegenagen wären hätte ich mit gemusst - in solchen Momenten werde ich wieder schlagartig traurig. Jede Nacht, wenn die Kiddies im Bett sind, alle Lichter aus sind und auch ich mich hin legen kann, die Tagesabrechnung gemacht ist und ich nichts mehr zu tun habe, genau dann werde ich so unendlich traurig, wie ich es auch war, bevor wir gefahren sind.
Genau jetzt, in diesem Moment wäre es mir lieb, ich müsste hier nicht weg. Wir könnten doch zwei Wochen bleiben, wie sie es sich gestern gewünscht haben. Noch eine Woche das Geschrei, das Lachen, das Leben, das ständige Klopfen an der Türe.
Gerade eben hat es wieder geklopft. Ich hatte die zwei schon gesehen, mir gedacht, sie kommen her. Laufen lachend den Hügel herauf, klopfen an die Türe.
Klar, Netbook zu, aufpassen, dass keiner was merkt, Pokerface auf, Lachen ins Gesicht.
"Frau ..., wir haben ein Problem!" - "ein großes Problem!" - "Wir haben kein Klopapier mehr!"
Ich: "Na wenn das euer einziges Problem ist, dann ist das keins!", ich laufe zu unserem viel zu großen Vorrat an Drogerieartikeln, fische ein Klopapierrolle heraus "Wir brauchen auch nur eine Scheibe...äh Rolle" beide Lachen herzhaft, ich versuche mit zu lachen, wenigstens einen blöden Spruch zu bringen "hätten Sie's gerne am Stück oder geschnitten?"...der war blöd genug, beide lachen weiter, bedanken und verabschieden sich, laufen lachend, hüpfend den Hügel runter "J. wir haben Klopapier" ruft die eine beim Betreten des eigenen Hauses.
Genau das macht mich momentan glücklich und ich weiß, dass es meine sind, meine 28 Kinder, für die ich gerade verantwortlich bin, was anstrengend ist, was Kraft kostet und doch so wundervoll ist, dass es mich erfüllt. Gerade jetzt weiß ich, wozu ich hier bin, was meine Aufgabe ist und es geht mir gut.
Ich hoffe, dass bald aus jeder Ecke jemand gehüpft kommt und "ein Problem" hat, denn dann hat mein Leben, habe ich einen Sinn.